Mut
Aktualisiert: 2. Aug.

Mein ganzes Leben lang, begegne ich immer wieder der Aussage: «So mutig was du vorhast/ angehst/ lebst.»
Und so habe ich begonnen mich zu fragen, was ist denn überhaupt Mut – und was ist mutig? Wann fühle ich Mut – wann fühle ich mich mutig?
Und da kamen sofort viele klare, spürbare Erinnerungen – aus meinem ganzen Leben, weit zurück bis in meine Kindheit. Wenn ich zum Beispiel den Baum weiter hochgeklettert bin, als mein Verstand ganz in Ordnung fand. Wenn ich etwas ohne Hilfe und ganz alleine probiert habe, was mir bisher noch nie gelungen war – oder mir vom Aussen und manchmal auch mir selbst (noch) nicht zugetraut wurde. Das Herz pochend – gleichzeitig freudig erregt. Bei mir ist Mut und mutig sein, verbunden mit kribbligem lebendig sein.
Abwägend, präsent und klar mit mir und dem Moment verbunden. Etwas wagen – und mir zutrauen. Nicht übermütig. Nicht über mein Bauchsicherheitsgefühl hinaus. Nicht um etwas zu erreichen. Oder um irgendeine dieser oft erwähnten Komfortzonen zu verlassen/auszudehnen. Sondern einfach aus dem Moment.
Aus dem Gefühl im Moment. Oder einem tief gehegten Wunsch – einem inneren Vorwissen: das will ich in meinem Leben gelebt haben! Aus dem inneren «Es zieht mich! Da geht’s (für mich) lang.» Und manchmal schlicht auch, weil alle anderen Optionen die für mich gerade sichtbar und fühlbar sind, zu dem Zeitpunkt noch viel weniger in Frage kommen - mir so ganz und gar nicht entsprechen.
Ganz viele – wenn nicht sogar alle – dieser «mutigen» Momente waren keine lange im voraus geplanten Vorhaben. Sondern entstanden im Moment. Ganz mit mir und meinen Möglichkeiten im Jetzt. Im Nachhinein überrascht es mich manchmal selbst – im Moment war es hingegen ganz klar und oft einfach «der Weg» der sich mir gerade zeigte. Von aussen als mutig betitelte Sachen meines Handelns/Seins konnte und kann ich oft erst durch die Perspektive des Gegenübers wahrnehmen. Für mich gibt es auch in sehr vielen, von aussen als mutig betitelten Handlungen, meinerseits gar keine wahrhaftige Alternative. Denn ich handle nach dem was ich wahrnehme – in mir fühle. Alle anderen Optionen fühlen sich dann für mich wie nicht wahr oder zumindest nicht gleich wahr an. Oder gar als «destruktives», gegen mich selbst oder das Leben an sich gerichtetes Handeln. Und somit sind diese für mich oft schlicht unmöglich. Auch wenn die eine von mir gewählte Option viel mehr Aufwand, Widerstand, Konfrontation oder auch mögliche Konflikte bedeutet. Und es auch schon Momente in meinem Leben gab, wo ich es bedauerte, mich nicht einfach übergehen zu können und dadurch einen vermeintlich «einfacheren» Weg zu wählen.
Eine kleine Geschichte dazu:
Als etwa 7jähriges Mädchen, bin ich mitten in der Nacht erwacht und hörte Schritte, draussen vor meinem Zimmer auf der Holztreppe. Alle anderen im Haus schlafend. Und für mich nur über die Treppe erreichbar. Diese leisen Schritte schlichen hoch – genau bis vor meine Zimmertür – hielten da inne und gingen dann wieder nach unten. Dies wiederholte sich immer wieder. In unserem über 300 jährigen Holzhaus, hörte man jeden Schritt. Meine Fantasie, was oder eher wer (ausgeprägt gefährliches) das sein konnte, war sehr gross und äusserst furchteinflössend. Nachts scheint die Fantasie oft grenzenlos grauenhaft.
Was ich dann jedoch machte, war, dass ich – als die Schritte ganz unten von der Treppe angelangt waren – zu meiner Zimmertür schlich. Und als die Schritte dann wieder genau vor der Tür innehielten – ZACK! – riss ich die Tür weit auf! Um diesen vermeintlichen Räuber zu stellen oder wenigstens arg zu überraschen/erschrecken. Mein Herz sprang mir tatsächlich fast aus der Brust! Ich kann mich sogar heute noch richtig körperlich daran erinnern.
Und wer stand vor der Tür?!? Es war unsere Katze. Sie war über die Nacht versehentlich im Hausinnern «eingeschlossen» worden und tapste nun auf leisen Pfoten die Treppe hoch und runter – wohl um einen Ausgang zu finden.
Wie sinnbildlich für unsere grenzenlosen, abgrundtiefen und grässlichen Bilder aus der Angst, dass anstelle dessen unsere geliebte Katze vor mir stand.
Im Nachhinein, besonders auch auf Grund der Reaktionen der Menschen denen ich dies erzählt habe, fand ich mein Vorgehen tatsächlich auch etwas mutig.
Wenn da wirklich ein Einbrecher oder sowas gestanden hätte?!
Im erlebten Moment jedoch, war es für mich bereits in der Vorstellung enorm viel schlimmer, dieser Eindringling wäre aktiv in mein Zimmer eingedrungen.
Die Option von Schlafen gab es ja auch nicht mehr.
Und – ich hatte das Gefühl vor Angst zu verkümmern, die Nacht so durchleben zu müssen.
Meine somit gefühlte einzige Option war, mich dem was da war, trotz der grossen Angst zu stellen.
Wenigsten zu wissen was es ist.
Die ganzen Folgen nicht kennend.
Aber mich nicht der Qual des Verharrens auszusetzen.
Und so lebe ich das auch noch heute.
Das Ausprobieren der mir gerade spürbarsten Option – immer auch mit möglichen negativen Konsequenzen, mit Angst und der Möglichkeit zu Scheitern – ist für mich unumgänglich.
Bedeutet für mich Leben.
Und Sein.
Und fühlt sich für mich gar nicht unbedingt mutig an.
Sondern schlicht wahr.
Ganz natürlich.
Unumgänglich.
Manchmal frage ich mich, ob eben gerade dies in unserer Gesellschaft als mutig erachtet wird - sich auf sein inneres Gefühl zu verlassen und nach eben diesem zu handeln und leben.
Für mich geht Mut und mutig sein, Hand in Hand mit unserer Intuition, mit Körperwissen. Es ist die für mich unumgängliche Tatkraft aus dem Gefühlten. Welche wir instinktiv als Navigationshilfe durch dieses unergründliche Leben nutzen können und dürfen.
Wie als starkes Band das trägt. Hält. Sicher und verlässlich. Auch in wackligen Situationen in und mit uns verbunden zu bleiben.
Und dazu braucht es kein aktives, bewusstes, extra herbeigeführtes Ausdehnen irgendwelcher Zonen, kein Überwinden der Angst oder sich von eben dieser lähmen zu lassen.
Viel eher ein damit sein, wahrnehmen und damit gehen.
Und genauso haben wir unsere Wohnung und Schweizer Jobs gekündigt und ziehen bald weiter in die Welt. Auf dem Weg. Mit unseren Möglichkeiten.
Und denen die sich uns noch eröffnen.
Freilernend.
Ohne ein Land zu verlassen - sondern all das da draussen zu erkunden was auf uns wartet.
Atmend in Bewegung, mit dem was ist.
Falls es dich gwundert, wie es uns so ergeht - fühle dich herzlich willkommen im
Anmerkung:
Alle meine Texte, Bilder und Fotos auf dieser Website sind (sofern nicht anders vermerkt) ohne jegliche Hilfe von KI – einzig aus mir heraus entstanden, gemalt und gemacht worden. Inklusive Rechtschreib- und Grammatikfehler :).




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