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Die Sache mit dem Dorf – über das Genügen

  • 13. März
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. März



Seit Jahren scheint es mir in aller Munde, dieses afrikanische Sprichwort: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen. Es geht mir hier nicht darum, den tieferen Sinn dahinter zu verneinen. Ich möchte ihn bloss auch einmal aus anderen Gefühls- und Blickwinkeln betrachten.

Denn wird ein Kind weniger gross oder richtig oder gesund, wenn es fern ab der Zivilisation aufwächst? Zum Beispiel in mitten der Natur, «alleine» mit seiner Ursprungsfamilie?

 

Spannenderweise wird dieses Sprichwort in Ratgebern und Elternforen oft genutzt - um Eltern zu entlasten. Im Sinne von: es ist nicht alles alleine an euch. Ebenso heisst es, dass das Leben in der generationenübergreifenden Grossfamilie oder Gemeinschaft dem wahren menschlichen Naturell entspricht. Dass Kleinfamilien (geschweige denn Alleinerziehende) nicht dazu imstande sind, die heutige Komplexität alleine zu bewältigen. Es soll bestimmt entlastend wirken. Und sicherlich gibt es Menschen, die solche Aussagen tatsächlich entlasten.

 

Für mich suggeriert es jedoch noch etwas anderes: dass wir als Kleinfamilie niemals genügen können. Dass wir, in eben dieser Lebensform dauerhaft eine ungenügende Form leben - unseren Kindern nicht genügen und als Kleinfamilie (geschweige denn alleinerziehend oder ohne Schulsetting) niemals gerecht werden können.

Es kann den fahlen Beigeschmack hinterlassen, dass egal, was wir tun, es nie ausreichen wird - wenn da kein Dorf, keine gelebte Gemeinschaft, kein ganzes Netzwerk an Menschen an unserer Seite ist. Oder dass uns ständig etwas fehlt: Unterstützung, Entlastung, Zusammenhalt – alles, was uns ein solches Dorf in der eigenen Innenwelt verheissen mag. Es erzählt uns eine Geschichte, die uns die Möglichkeit nimmt, dass es im Hier und Jetzt tatsächlich auch anders sein kann.

Was passiert, wenn wir uns wirklich erlauben, auf uns zu hören? Wenn wir spüren, was uns im Moment gut tut? Zeit alleine oder in der Kleinfamilie leben und wahrhaftig genießen dürfen?Wenn es genauso legitim ist, ganz für sich und die Bedürfnisse der Familie da zu sein – und nach diesen zu leben? Ganz sicher gibt es in diesem Kontext die verschiedensten Bedürfnisse - so einzigartig wie jede*r Einzelne von uns. Und doch ist dies ein Plädoyer für all diejenigen, die spüren, dass auch «alleine» im Familienkern, ganz viel Raum und Weite entsteht; ein Kind darin wundervoll wachsen und gedeihen kann – da und dort auch gerade deshalb. Und vielleicht lässt sich das Sprichwort sogar noch viel umfassender betrachten. Denn sind wir nicht alleine durch unser menschliches Dasein bereits Teil dieses besagten Dorfes? Ganz allein durch unser Sein?

Ich jedenfalls glaube das genügt. Vollkommen.

 
 
 

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